Sexuelle Norm vs. Abweichungen

Was die Gesellschaft als sexuelle Abweichungen ansieht und ablehnt, ist erheblich davon abhängig, was in der Psychiatrie und Psychologie als „gestört“ gilt.

 

So können wir im noch aktuellen Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, kurz ICD-10 (englisch: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) unter der Kategorie Sexuelle Präferenzstörungen folgende 7 Diagnosen finden:

 

 

·         Fetischismus

 

·         Fetischistischer Transvestitismus

 

·         Exhibitionismus

 

·         Voyeurismus

 

·         Pädophilie

 

·         Sadomasochismus

 

·         Nicht näher bezeichnete Störungen

 

 

Die Schwierigkeiten der Klassifikation sind jedoch hochgradig kontext- und kulturabhängig. Können dadurch leicht (z.B. politisch, religiös,..) instrumentalisiert werden und verändern sich schon über kurze Zeitspannen.

Zusätzlich kommen noch die individuellen Vorstellungen über sexuellen Begehrens („gute Sitten“) hinzu.

 

 

Die Störungsdiagnose ist meist abhängig von erlebten „Leidensdruck“, der wiederum oft von der Stigmatisierung und Pathologisierung hervorgerufen werden kann.

 

 

Bei sexueller Delinquenz = Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung anderer Menschen (Kindern, abhängigen- nicht einwilligungsfähigen Personen, sexuelle Gewalt- und Tötungsdelikte, Exhibitionismus und Voyeurismus (nur mit Hausfriedensbruch)), muss KEIN Leidensdruck unbedingt beim Delinquenten vorliegen.

 

 

Aus der therapeutischen Perspektive wird unter anderem ein Fokus auf das Sehnsuchtsmotiv (Grund) hinter dieser sexuellen Verhaltensform, gelegt.

 

 

Unter „angepasste“ Formen sexuellen Handelns verstehen wir die ausdrückliche Einvernehmlichkeit, KEINE Einschränkungen der Selbstbestimmung anderer und KEIN Leidensdruck.

 

 

In der zwischenmenschlichen Begegnung müssen also GLEICHARTIGE Vorlieben in einem Fall als „normal“ und in einem anderen als „Störung“ beurteilt werden.

 

 

Solange sexuelle Vorlieben von allen Beteiligten einvernehmlich (englisch: consents) ausgeübt werden und OHNE negativen Folgen bleiben, können die meisten Diagnosen als überflüssig betrachtet werden.

 

 

Nicht INHALT, sondern UMGANG ist ausschlaggebend!

 

 

 

                                                                                                                                                                     ÖGS/Samanta Petraskovic/Mai2019